this is not our scene Erhard and Missouri
this is not our scene
CD xxs13 indigo CD 9814-2 going home
Neun Songs von Erhard und Missouri, neunmal Straubing - Nürnberg und zurück, neunmal die Frage: wer singt hier eigentlich mit wem? Als Projekt einmalig, wirft diese CD doch verhältnismäßig viele Fragen auf. Erhard Grundl sollte Eingeweihten noch als Sänger von Baby You Know bekannt sein, die in den 90er Jahren mit viereinhalb Longplayern und als Live-Band von Robert Forster zu nationalen Ehren kam. Nach einer 1999 selbstveröffentlichten Single (feat.u.a. Robert Forster) begab sich Erhard für sein Solo-Longplay-Debüt letztes Jahr auf die Suche nach einer geeigneten Band. Er fand sie in Missouri. Die drei Nürnberger, die justament bei xxs ihr Debüt vorlegten, versprachen musikalisch alles umzusetzen, was Erhard ihnen an Songs auftrug. Peu à peu entstand so ein Album, welches zweifellos ein neues, glanzvolles Kapitel hiesiger Songwriterkunst aufschlägt. Traditionell anmutende Inhalte treffen auf ein semi-elektronisches Instrumentarium, cooler Slow-Fi auf eine selbstbewusste Stimme, die "einprägsam" zu nennen eine wohlfeile Untertreibung wär. Songs wie "Oh Emily", "Columbia" oder "Down to the river" zeugen vom future sound of americana, sozusagen straight out of Bavaria. Ansonsten lässt "This Is Not Our Scene" jede Verortung offen. Ähnlich wie Missouri ihre Musik als Punk mit anderen, nämlich langsamen Mitteln verstehen, so weiß auch Erhard Grundl um die Möglichkeit der gut plazierten Kopfnuss (auch wenn dafür schon mal ein bayerischer Filmemacher hinhalten muss). Eine trotzige Verweigerungshaltung, aus der sich wunderbar befreit musizieren lässt, eine altgediente Liebe, die keine Abgrenzungskämpfe mehr nötig hat. Diese Art der gewollten Bezugslosigkeit überwindet den Stillstand und führt zur Festigung der eigenen Position. Das wusste schon Bob Dylan, dessen "You ain't goin' nowhere" kongenialen Zuspruch erfährt, aber auch Lou Reeds Velvet Undergound, deren "Run, run, run" sich hier zu einem kleinen Marathon auswächst. Die übrigen sieben Songs sind home made, soll heißen: Erhard fuhr Sonntags mit einer Songidee zu Missouri nach Nürnberg und kam Montag morgens mit einem fertig eingespielten Song nach Straubing zurück. So etwas nennt man wohl blindes Verständnis. Und Vertrauen: denn neben Erhards Stimme und seinen Songs beeindrucken auch die drei Slow-Fi-Helden von Missouri, die hier mal so richtig aufspielen können (ohne sich freilich dafür krumme zu machen: wir wissen: they are still glowing).