{Kantrie} Various Artists
going home
13 Golden Kantrie Greats -
(the first collection of home-made songs & recordings)
LP 1997
xxs 001
Cowboy
sold out!
Am 7. November 1996 fand im Knust die Veranstaltung "There's a tear in my Beck's" statt. Eine Handvoll Hamburger Musiker schwänzte an diesem Abend die Schule, um sich ihrem Lieblingsthema zu widmen: Die Volksmusik der weißen Landbevölkerung in den USA des 20. Jahrhunderts. Dem waren Monate erbitterter Diskurse vorausgegangen: Was ist der schönste Song der Louvin Brothers? Wo kauf ich meine Western- Hemden? War Dylan jemals Country?

Mit "13 Golden Kantrie Greats" war das Zwischenzeugnis dieser Bemühungen im Dienste des guten Songs. War, denn der Sampler ist seit langem ausverkauft.



Peta Devlin spielt normalerweise den Baß bei Die Braut Haut Ins Auge. Dort ist sie das gute Country-Gewissen, darf allerdings viel zu selten singen. Deshalb hat sie sich jetzt mit Eckhard Heins an der Geige und Thomas Wenzel an der Gitarre selbständig gemacht. Die drei waren die Stars an diesem Abend, man hat gestandene Männer weinen sehen. Peta singt auf dieser Platte zwei Traditionals, den dritten Song, Mississippi John Hurts "Spike Driver's Blues", hat sie, da sie das Dilemma als Bassistin selber kennt, Thomas Wenzel singen lassen. Wäre Hamburg ein Berg, Fink kämen von ganz weit oben. Denn Hauke Evers (ex-Baby, ex-Huah!), Nils Koppruch und Thorsten Carstens (beide ehemals Tex Fury and the Silver Spurs) erinnern an Hillbillies in den Honky-Tonks der Großstadt. Das meinten auch schon Lambchop und 16 Horsepower, als sie die drei letztes Jahr trafen und trotzdem kein Wort verstanden: amerikanische Country Musik mit deutschsprachigen Texten. Geht das? Ja. Denn Finks Zuhause ist nicht die Autobahn. Stattdessen reimen sie lieber ,,Herz" auf ,,Holz" oder stellen mit verhaltener Distanz Beobachtungen über die tragischen Unwegsamkeiten urbanen Lebens an. Darum sind sie einzigartig und werden dann von Menschen in Meldorf mit Hannes Wader verwechselt. Aber was wissen schon Menschen in Meldorf? Hier spielen sie mit Aushilfsbassisten Matthias Reth "Vielleicht" und "Herz aus Holz". Bei letzterem werden sie kongenial von Bernadette Hengst am Akordeon begleitet. Die Love Manitous wurden 1995 von Wolfgang Geise und Jan Apel gegründet. Zwei, die sich fanden: was Wolfgang zum Crooner fehlt, gleicht Jan durch stilsicheres Auftreten aus. Doch beiden war schnell klar, daß es die Everly Brothers schon vor ihnen gab. Da kam Kerstin Holzwarth als Sängerin gerade recht. Ein mutiger Schritt - denn wer will schon was mit zwei Jungs zu tun haben, die vornehmlich Songs alter Säcke nachspielen? Kerstin wollte. Zusammen klingen sie jetzt wie die Carter-Family. Das Repertoire reicht in der Regel von Neil über Roy bis Van und natürlich von Hank über Hank bis Hank. Hier interpretieren sie mit "All My Sorrows" einen Song des Kingston Trios in der Version der Searchers und "If I Could Only Win Your Love" von den Louvin Brothers in der Version von Emmylou Harris. Die 1/2 Couch war einmal eine ganze. Das ist lange her und so ganz genau erinnert sich niemand. Jedensfalls landete ein Teil auf dem Sperrmüll der Geschichte, der andere in einer Ecke der Freien Garage. Jürgen Weiss, Klaus Sieg und Matthias Wagner richteten es sich auf ihrer 1/2 Couch jedoch recht eigentümlich zwischen Steelguitar, Standschlagzeug, einem Surfbrett und einer alten Musiktruhe ein. Hektik ist ihnen fremd, Supports für beispielsweise Penelope Houston folgten Monate des Nichts. Doch erst gerade haben die Space-Cowboys ihre erste Single veröffentlicht. "Goldwing" ist ein Stück davon. Freewheelin' Knarf Rellöm - Wer kennt ihn nicht? Ob im Fernsehen, im Funk oder auf der Bühne. Er liebt die heiteren Rollen, aber auch das Ernste ist ihm nicht fremd. Vom Meister der Improvisation existieren nur wenige Aufnahmen, die nicht von prosaischen Einschüben geziert sind. Dies ist eine dieser seltenen Aufnahmen. Mit Huah! war er der Hausmeister der Hamburger Schule, nun lebt Knarf Rellöm seine Vorliebe für Dylan aus. Mit "Nur nicht so schnell", einem Song von seinem im Jahre 2013 erscheinenden Debüt, steuert er ein "schönes New-Wave-Stück an einem Country-Abend" bei. Hank McCoy, der Cowboy, der so einiges ins Rollen brachte, genießt in Hamburg Kultstatus, obwohl er in Köln lebt. Vormals kam er aus Mobile, Alabama und Columbus, Ohio. Nahm dort mit den Dead Ringers drei klasse Country-Platten auf, von denen auch seine ersten beiden Songs auf dieser Platte stammen. Eines Tages fand er sich mit den OKra-All-Stars sogar im ,,Spiegel" wieder, ließ sich dennoch davon nicht blenden und schrieb stattdessen Burrito-Rezepte für Fanzines. Er kennt daher das Geheimnis des Kreuzkümmels und liebt das Kursbuch der Deutschen Bahn AG. So war er gerade mit Peta Devlin auf einer Kurz-Tour. Zusammen singen sie "When I Stop Dreaming", einen Song der Louvin Brothers.