Pee Air Pee Air
Pee Air
7" single
org001
import
Pierre De Gaillande
Tracklist:
- Kid Vicious
- Tenth Street Dirge
- Pére
- Flapjack Girl

„... a temporary relief for permanent ailments" träumte Quentin Jennings, als er eines Nachts vor einer Reihe seriös gekleideter Vorstandsherren stand, für die er eine Droge gegen den Blues erfinden sollte. Er erfand und nannte es Resolvo, weil Resolvo alle Probleme löst und das in einem Traum sowieso meist gelingt. „Resolvo is a cure drug to chase away the blues." Ob es wirklich hilft? Klar! „Resolvo" macht locker und stimmt heiter, ist vielseitig und charmant. Denn erfunden und verabreicht hat Quentin die Wunderdroge zusammen mit Melomane. Die sechsköpfige Band stammt aus Brooklyn, New York, USA, was wiederum bedeutet: Melomane sind das erste Signing von xxs transglobal, der neu gegründeten internationalen Abteilung von xxs records!
Melomane gründeten sich 1998 in New York um den in Paris geborenen Songwriter und Gitarristen Pierre de Gaillande, der sich vorher in Bands wie Creedle, Morning Glories und C Gibbs Group verdingte. In den beiden letzteren traf er auf Drummer Kenny Savelson. Keyboarder und Wunderträumer Quentin Jennings wiederum sonnte sich zu Beginn der 90-er kurz im Charts-Ruhm von The Dylans, während Sängerin Daria Klotz mit God Is My Co-Pilot, den Moonlighters und Vanity Set beschäftigt war. Vollständig wurde das Sextett durch den Schweizer Privatier Frank Herr am Cello und Brad Stewart an der Trompete.
„Resolvo" ist das Debüt von Melomane und es grenzt an ein Wunder, wie es der Band gelang ihre verschiedenen Biographien musikalisch so unter einen Hut zu bringen. Wings, Cohen, Can und Giant Sand werden von der Band selbst als eventuelle Einflüsse hervorgehoben, je nach Song möchte man gerne Calexico, Radar Brothers, Jim O'Rourke oder sogar Men At Work ergänzen, deren '83er Hit „Overkill" hier in einer sehr versöhnenden Version wieder auftaucht. Oder, wie es fantasievolle amerikanische Rezensenten bereits für Euch vorformulierten: „... like Lou Barlow singing a Tindersticks song" bzw. „Beach Boys mate with Ben Folds Five" bzw. einfach „Sounds like paradise"! „Resolvo" lebt von der Abwechslung, die jedoch nie in Eklektizismus ausartet; eher ein „rich colourful sound", getragen von einer herausvordernden Lässigkeit des Songwritings. Der vielzitierte „Commonwealth of Style" im Hause xxs begrüßt Melomane als neues Mitglied.
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Manhattan melancholisch (aus Süddeutsche Zeitung 10.11.01)
Die New Yorker Indie-Band „Melomane“ besingt nun auch in München die wunderbaren Dinge des Lebens

Im Traum hob Pierre de Gaillande einfach ab, flog von dem Dach in der Lower Eastside über die Twin Towers, zu deren Füßen seltsamerweise der Ozean rauschte – und sah „under the towers down by the sea“, wie sich langsam eine gigantische Welle auf New York City zu bewegte und sich am World Trade Center brechend über ganz Manhattan ergoss. Einige Jahre ist es her, dass der Sänger von Melomane einen Song über dieses Nachtgespinst schrieb – und doch ist der Titel nach dem 11. September so aktuell wie noch nie. „Schon seltsam, wie die Realität manchmal die Träume einholen kann“, meint der in San Diego aufgewachsene de Gaillande. Vor der Terrorattacke habe er überlegt, wieder zurück an die Westküste zu gehen. „Aber jetzt wäre es einfach unloyal, New York zu verlassen.“ Weil Melomane dort aber schon so oft gespielt haben und außerdem das Debutalbum „Resolvo“ bei xxs, einem in Hamburg angesiedelten transglobalen Ableger von IXiXeS-Records/Indigo erschienen ist, gehen die New Yorker Kosmopoliten den November über erst mal auf der europäischen Seite des Atlantiks auf Tour. Frei von Zweifeln Der Albumtitel „Resolvo“ bedeutet so viel wie „Ich befreie (von Zweifeln)“. Und so trägt die Scheibe auch weniger den hektischen Puls der Straßen Manhattans in sich, als vielmehr die verruchte Unbedarftheit einer Jane Birkin, die einen melancholischen Serge Gainsbourgh mit Laisser-faire und roten Lippenstiftküssen auf einem Roadtrip über die langen, gewundenen Straßen Amerikas von all den wunderbaren Dingen dieses Lebens zu überzeugen versucht. Kein Wunder: Schließlich ist de Gaillande ein Kind französischer Erde und wurde von seinem Vater auch nach dem Umzug ins Land der großen, weiten Freiheit mit Songs von Jaques Brel, Georges Brassens und anderen, legendären Chansonsängern in den Schlaf gewiegt. Daneben sind aus der melodiösen Melange des Sextetts Einflüsse von den Pixies, Fugazi, Calexico, Leonard Cohen, Can, Giant Sand, Tindersticks und den Friends of Dean Martinez herauszuhören. Zwischen die rhythmisch dahin gleitende Surfgitarrenakkorde schmiegen sich mal dunkle Cellosätze, mal abgedrehte Keyboardsounds. Dann wieder schweben Vibraphonklänge über den Arrangements, mit Bass und Hi-Hatt werden Akzente gesetzt, bis sich alles in ein dunkles, klangvolles Geräuschmuster einordnet. Doch wenn Brad Stewart die Trompete ertönen lässt, löst sich die düstere Stimmung doch wieder in sehnsuchtsvoll-melancholisches Wohlgefallen auf. Warum ein solcher Sound in Europa mehr Erfolg hat als in den USA? Darauf weiß de Gaillande keine Antwort. „Vielleicht, weil die Leute dort, vor allem in Deutschland, mehr auf die Texte hören“, meint er. „Englisch ist ja auch meine zweite Sprache. Ich legte alles daran, es so fehlerfrei wie möglich zu beherrschen.“ Was er in Songzeilen wie „I’ve got my four wheels on the ground. And Mister Sunset’s staring back at me and my ass is sticking on the vinyl seat“ mittlerweile auch völlig ungezwungen unter Beweis stellt. In Insiderkreisen sind Melomane auch in New York ein echter Geheimtipp. Kritiker auf Indie-Websites, deren Bandbreite von Listen.com bis Punkrockacademy.com reicht, schwärmen: „Es ist nicht schwer, Melomane zu lieben.“ Oder: „Diese Songs suchen nach einer tieferen, transzendenten Bedeutung in der Musik“. „Ein gespenstischer Spionagethriller Wochenendmord“. Oder schlicht: „Ich will auch in dieser Band sein.“ Und wer das nicht will, kommt doch immer wieder gerne einfach so zum Zuhören. Denn die Melomanen lassen sich für ihre Konzerte immer wieder mal etwas Neues einfallen. Jüngst begleiteten sie instrumental einige Filme auf einem Super 8-Festival – oder sie laden befreundete Bands zu einem variationsreichen Liederabend ein. Das lohnt sich schon deshalb, weil die meisten Bandmitglieder neben Melomane noch in anderen Combos spielen. Allein Bassistin Daria Klotz singt und musiziert nicht nur mit den Moonlighters, God is my Copilot und Vanity Set, sondern hat mit den Kings County Queens auch noch eine eigene Hommage-Formation an Patsy Kline. Schlagzeuger Kenny Savelson ist des öfteren mit Bee&Flowers unterwegs. Gemeinsam mit Frontman de Gaillard war er auch schon mit der Christopher Gibbs Group (John Mellencamp) und den Morning Glories auf Tour. Der aus England eingewanderte Keyboarder Quentin Jennings spielte einst für die Britpopband The Dylans und der Schweizer Cellist Frank Heer stand bereits mit Halcion und Sea of Cortez auf der Bühne. Dennoch: Melomane ist für alle ein ganz besonderes Projekt. Denn mit der 1998 gegründeten Band haben sie es tatsächlich geschafft, das umzusetzen, was der französische Name bedeutet: Sie kombinieren all die musikalischen Einflüsse und Ideen, die in ihren Köpfen herumspuken. Egal, ob mitsummbarer Radiopop, der Blues der Straße, tropisch-heiße Surfgitarrenrhythmen, Anspielungen auf längst vergessene Lieder oder zweistimmige Country-Romantik – alles steht gleichberechtigt nebeneinander, wird mit dem Einsatz von Synthie- Sounds, Cello und Trompete zu einem völlig eigenen Musikstil kombiniert. „Dazu bringt jedes einzelne Bandmitglied seine eigenen Ideen ein. Würde nur einer fehlen, wäre Melomane nicht mehr komplett“, meint de Gaillande, der während der Europatour jedoch den Part des Trompeters übernehmen muss. Ganz wie in alten Zeiten, lange bevor Melomane sich durch so ziemlich alle Clubs in Brooklyn und Downtown Manhattan gespielt hatten, einschließlich der legendären Knitting Factory. So wird der Gig am Sonntag, 11. November, im Club 2, nicht nur eine Hommage an alle melancholischen Melodien dieser Erde, sondern auch an Melomane selbst. Und was ist mit New York und dem World Trade Center? „Wir haben diesen einen Song“, meint Gailland, „aber wir wollen die Leute nicht deprimieren. Wir wollen, dass unser Publikum eine gute Zeit hat. November kann so schön sein. “ JOSEFINE KÖHN