{leblon} VERANDA MUSIC
VERANDA MUSIC
Leblon
CD (2000)
xxs 012/Indigo CD 9589-2
going home
engl. info
Die Reaktionen waren schwärmerisch: "Zum Weinen schön", "Großartiger Songwriting-Pop", "Hier singt's. Grandios" und "die deutsche Antwort auf alles, was älter ist als 30". Von Rolling Stone, Intro, Die Woche bis Spex: selten wurde das Debüt einer deutschen Band von dermaßen vielen Schreiberhänden in den Himmel gehoben wie "Here's To Them All", der letztjährige Erstling unserer Superhelden von Veranda Music. Seitdem ist naturgemäß viel passiert. Neben Konzerten im In- und Ausland, einer Kurztour mit Dr. John, drei erfolgreichen Videoauskoppelungen, einer schmucken Vinyl-Single mit brasilianischen Liedern und allerlei Familienfreuden stand bei Veranda Music eine Frage im Mittelpunkt: Wie wird die zweite Platte?
Nach monatelangem Studiohopping und obsessiven Stimmungsschwankungen liegt die Antwort ab September endlich vor, heißt »Leblon« und ist ein wahres Goldstück von einer CD. Dreizehn neue Songs, die den eigenwilligen Sonderstatus des Hamburger Trios unterstreichen und es auch international zu einer kommenden Größe werden lassen. "American Music in ihren avanciertesten Momenten" urteile einst die taz, wobei auch diesmal die Idee eines "Amerika" schwerer wiegt als seine genaue Lokalisierung. Benannt nach einem Stadtteil von Rio de Janairo ist »Leblon« eine Platte, in der sich die verschiedensten musikalischen Ideale zum vielbeschworenen Commonwealth of Style und somit zur eigentlichen Sprache dieser Band verdichten. »Leblon« bedeutet Stil, Leidenschaft und die ein oder andere ganz große Geste. Für Band-Chef Nicolai von Schweder-Schreiner war Grandezza noch nie ein Fremdwort, neu ist lediglich die Selbstverständlichkeit der Collage und wie sich alles in ein einmaliges Gesamtbild fügt. Wir hören hemmungslose Sundowner ("In a maze", "Me and the palmtree"), Jazz the Ripper ("Going too slow") und viel Melancholie ("A different weight"), erfahren etwas über die letalen Folgen eines Coffein-Trips ("Incident at AM/PM"), erleben Wildschweintänze ("Boars Dance"), Ween'sche Dialektik ("I will swallow you") und nicht zu letzt eine Hommage an Steely Dan, deren "Pearl of the Quarter" hier ihre verdiente Ehrung erfährt. Dabei verzichten Veranda Music bewußt auf klangliche Modernismen oder aufwendige Studiotechnik. Was zählt, ist vor allem das Gespür für das klassisch Zeitlose in einem Song. Hier weisen sich Lars Precht, Christoph Kähler und Nicolai von Schweder-Schreiner als kluge Apologeten klanglicher Vorstellungen und Arrangements aus, wie wir sie von den Protagonisten der Popgeschichte kennen. Aus verschiedensten Richtungen treffen Ikonen aufeinander und fügen sich so neu: Lennon, Bowie, Mitchell, Knopfler, Simone, Fagen, Cohen und Barrett - in der Fortführung der Tradition vereingt »Leblon« sie alle.

foto: jochen schmadtke