Veranda Music

live

zurzeit sind keine Konzerte geplant.

Das neue Album "Secret Scenes"
erscheint im Februar 2008 auf
Strange Ways Records.



Ach, so nahe!
Veranda Music in Hamburg
Im Konzert sitzt er auf einem Stuhl, die Gitarre überm Knie, die Stimme tief im Hals. Der junge Mann mit dem kleinen Oberlippenbart und den düsteren Augenbrauen muffelt die Melodien, als hätte er doch ernste Bedenken, den stehend Begeisterten ihre Euphorie abzunehmen. Kann man sitzend senkrecht stehen? Oder vom Publikum aus gehört: Kann man zugleich entspannt und erregt sein? Der Name der Band ist Programm: Veranda Music. Keine Metapher, kein Buchtitel, kein Wortspiel, vielmehr ein Ort. Handgezupft blättert die Farbe vom Holz ab, milde, warme Luft stellt sich da ein, ein Hauch von Grandezza weht zwischen den weißen Pfeilern, Stil in jedem Fall. Vielleicht sollte man wissen, dass der Sänger und Komponist der Gruppe, Nicolai von Schweder-Schreiner, in seiner Jugend vier Jahre in Rio de Janeiro lebte, des Portugisischen mächtig ist und der Titel der neuen CD Leblon einen Stadtteil von Rio meint – erklärt wird dadurch nichts. Nicht diese Verbindung aus stilistischer Offenheitund unverwechselbarer Identität, die Mischung aus Brüchigkeit und singbarer Melodien, aus gestern und morgen. Wo ihr erstes, verwirrend abgeklärtes Album "Here's To Them All" noch alle Danksagungen getrennt aufführte – von Lou Reed über Syd Barret zu Nina Simone, vom Laid-back-Feeling zur Sumpfmusik des Südens – hat das Hamburger Trio (mit Christoph Kähler und Lars Precht) jetzt zu einem Gefühl gefunden, das an Hamburgs Kanälen seinen Ort ebenso findet wie an den Ufern des Mississippi: einem Zustand des unterschwelligen Wartens auf etwas, das irgendwann auf dem Wasser vorbeiziehen wird. Bis dahin: Musik. Im Konzert tritt ein Saxofonist dazu, ein zweiter manchmal, ein Gitarist, ein Vibrafon öffnet den raum, das trockene Tocken des Perkussionisten zu samtenen Gesängen im Hintergrund, dann bleiben wieder nur zwei, einer ging rein, um etwas zu trinken zu holen. Veranda Music erschlägt einen nicht mit Emotionen, sie hält die Distanz, die notwendig ist, um sie zu jeder Zeit hören zu können. Man mag das auf die schwebene Jazzattitüde zurückführen, die mäandernden Schlieren einer Orgel, den Klang des stehenden Basses, das offene Trio-Format. Es kommt aber auch aus den Kompositionen, die von poetischen Miniaturen zu wahren – ah, endlich englisch gesungenen – mitsummbaren Rocksongs reichen, Material, das anderen für vier Alben gereicht hätte. Doch der Sänger bricht ab, lässt das Lied kurz wie Zigarettenrauch in der Luft hängen, kein Ton zuviel. Ein seltener Fall für Deutschland.

Konrad Heitkamp in DIE ZEIT 9.11.2000.


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